Die nackte Brust… ähm… Wahrheit über arbeitende Millstütter… Stillmütter – und diese beknackten Hormone!

Die gute Nachricht zuerst: Ich bin wieder irgendwie ein Teil der Arbeitswelt. Bis Januar werde ich völlig flexibel und ohne Stundenziel arbeiten, einfach so wie es gerade reinläuft mit Baby und Kindern, Schlafmangel, Wäschechaos und schmerzenden, prallen Brüsten. Ich ziehe mir die Arbeit ab, wie ich sie bewältigen kann und entlaste damit meine Elternzeitvertretung Anna-Meta, eine Seele von Kollegin, die mir keinen Druck macht und sich freut (zumindest behauptet sie das 😅), wenn ich mich einklinke.

So weit, so gut. Ich bin glücklich! Wenn ich nicht aktiv arbeite, drehen sich meine Gedanken um Arbeitsthemen und eben genau das brauche ich. Nichts ist für mich schlimmer als eine Leere im Kopf, die sich während dem Waschmaschine füllen, Wäsche zusammenlegen, Spülmaschine ausräumen und kochen zu einem schier unbeherrschbaren Vakuum ausbreitet, das jeden positiven Gedanken aufsaugt und verschlingt. Tatsächlich kann man überspitzt sagen, dass mich jede schmutzige Socke und jeder mit Essensresten verklebter Teller weiter in eine Art Depression treibt. Während ich jetzt also den Trockner befülle, fällt mir eine gute Idee ein und ich renne zum IPad, um sie gleich zu notieren… denn mit den Stillhormonen ist nicht zu spaßen und die Gefahr, dass sie mir 30 Sekunden später entfallen ist, ist einfach zu groß. 😆 Ich fühle mich wieder als Teil des STZ-RIM-Teams und das STZ-RIM ist irgendwie auch mein Baby! Zumindest hab ich mein Team echt lieb.

Dabei beschleicht mich aber immer öfter der Gedanke, dass ich mich durchmogle. Ich bin mit der Haltung groß geworden, dass Arbeit mit Fleiß und Disziplin einhergeht. Tüchtige Menschen gehen mit ledernen Aktenkoffern und starren Mienen zu einem Ort, an dem sie sich an guten wie an schlechten Tagen ihrer Arbeit verschrieben haben – oder Moment, war das nicht was anderes?! Nein, ist es eben nicht. Das Arbeitsverständnis meiner Eltern glich verblüffend dem der Ehe. Man hat sich irgendwann einmal mehr oder weniger sinnvolle Gedanken zur Berufs- und Partnerwahl gemacht und dann zieht man es eben durch bis zur Rente (oder dem bitteren, wahlweise auch erlösenden, Ende). Natürlich bin ich in den 2020ern angekommen, ich sehe die Veränderung auf dem Arbeitsmarkt. Die Millenials, die Generation Y, die herzhaft erfrischend die persönliche Beziehung zur Arbeit reformieren und, wie ich finde, in ein viel gesünderes Licht rücken. Aber irgendwo in meinem Hinterkopf hängt eben auch die Prägung meiner Kindheit. Und diese unliebsame Stimme fragt mich morgens um halb zehn, während ich stillend am Esstisch sitze, noch mein Nachthemd trage und inmitten meiner Arbeit wieder abbreche und Pause mache, weil Leoluca pupsen muss, ob das jetzt ernsthaftes Arbeiten sein soll?!

Ich habe heute darüber beim Trocknerbefüllen und Wäschezusammenlegen nachgedacht und kam zu folgendem Schluss: verdammt, ich hab ihn vergessen!

Kleiner Scherz. Ich denke, es ist kein ernsthaftes Arbeiten. Und Stopp! Bevor jetzt entrüstet widersprochen wird: es ist viiiiiiel, viiiiel besser als ernsthaftes Arbeiten. Es ist ein Arbeiten, das Spass macht! Es ist ein Arbeiten, das zu mir und meiner Lebenssituation passt und solange ein sinnvolles Ergebnis dabei rauskommt, ist es schlicht und ergreifend gut.

Nicht gut ist, dass es viel zu viele Mütter gibt, deren Arbeitskraft nicht genutzt wird. Ressourcen, die brach liegen, weil man das Arbeiten der Mütter noch viel zu wenig an deren Lebenswirklichkeit anpasst. Wie viele gute Ideen verschwinden zwischen schmutzigen Socken, werden mit stinkenden Windeln entsorgt oder verpuffen im Trockner, weil Arbeitgeber nicht in der Lage sind, das Potential zu erkennen und abzuschöpfen?

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